Let´s Play

Aus Social-Media-ABC
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Let's Plays (zu deutsch "Lass uns spielen") sind kommentierte Aufnahmen von Videospielen, welche seit einigen Jahren eine immense Reichweite generieren.

Ursprung

Der ganz konkrete Ursprung von Let' Plays lässt sich nur schwer festlegen. Im Jahr 1993 hat Paddy Kroetz mit seiner Aiwa-Kompaktanlage mit Karaokefunktion und einem VHS-Kassettenrekorder erste Videos aufgenommen, in denen er Spiele zeigte. Ohne wirklichen Durchbruch. 2006 gab es dann einen weiteren Anlauf. In Foren wurden Screenshots von Videospielen geteilt und kommentiert. Andere User konnten diese dann ebenfalls kommentieren und mit dem Spieler interagieren. Michael Sawyer hat das erste bekannte Let's Play in Video-Form 2007 veröffentlicht. Ab ca. 2010 hat diese Form der Unterhaltung auch in Deutschland den Durchbruch geschafft - und ist seitdem aus der Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken.


Was machen Let's Plays aus?

Jemand, der ein Videospiel aufnimmt, dazu spricht und sich gegebenenfalls filmt - und das in einem Video zusammengeschnitten, mag auf den ersten Blick nicht wirklich unterhaltsam klingen. Immerhin könnte man doch selbst das Spiel spielen und sich selbst aktiv beschäftigen. Doch Let's Plays bieten viel mehr, als den Lösungsweg des Spiels - es ist das Gesamtpaket. Ein interessantes Spiel (ob gut oder schlecht ist zweitrangig), eine unterhaltsame Persönlichkeit des Let's Players und natürlich die Qualität der Aufnahme machen den Erfolg aus.

Wie sind Let's Plays aufgebaut?

In der Regel besteht ein Let's Play aus mehreren Videos. Werden Spiele im Storymodus durchgespielt, kann man diese wie eine Serie mit mehreren Folgen ansehen. Oftmals werden hier auch reizvolle Cliffhanger gesetzt, um die Zuschauer bei Laune zu halten. Spiele ohne Storys haben dennoch meist mehrere Folgen, dann basierend auf Runden.

Warum werden Let's Plays geschaut?

Die Motivation ist im Kern Unterhaltung. Aber auch, um einen Einblick in das Spiel zu bekommen, sind sie sehr gut geeignet. Trailer von Spielen zeigen häufig wenig vom eigentlichen Gameplay, sodass man sich hier unsicher sein kann, ob es das Richtige für einen ist. In Let's Plays dagegen kann man das Gameplay besser verfolgen und entscheiden, um man es sich selbst kaufen möchte.


Let's Player

So bezeichnet man die Menschen, die diesen Content produzieren. Ob ein Let's Play Erfolg hat, hängt nicht vom Spiel ab, da die meisten Spiele zig mal auf unterschiedlichen YouTube-Kanälen dargestellt werden. Daher macht die Person, die es spielt und kommentiert, den Unterschied. Die Persönlichkeit des Let's Players ist ausschlaggebend - einige sind komödiantisch unterwegs, andere bevorzugen den trockenen Humor und wieder andere sind komplett aufgedreht. So gibt es für so ziemlich jeden Zuschauer und jede Zielgruppe geeignete Let's Player, von denen man sich bestens unterhalten lassen kann.

Hierbei entsteht teilweise ein richtiger Fankult. Auf Conventions wie zum Beispiel der Gamescom geht es schon lange nicht mehr nur um die Spiele an sich. Die, die die Massen auf die Messe ziehen, sind inzwischen die Let's Player, die eigene Autogrammstunden und Bühnenauftritte haben.

Besonders erfolgreiche Let's Player konnten dieses Hobby auch zum Beruf machen. Die Gewinnbeteiligung an Werbeeinnahmen von Videos ist das eine Standbein. Doch baut sich um ihren Alias (die wenigsten benutzen ihren richtigen Namen) eine eigene Marke auf. So können sie auch Werbedeals für z. B. Product Placements (zu deutsch Produktplatzierung) abschließen oder eigene Merchandise-Produkte auf den Markt bringen.

Zu einem der bekanntesten Let's Player weltweit, der auch an dem Aufschwung mit beteiligt war, gehört PewDiePie mit inzwischen 111 Millionen Abonnenten auf YouTube. Im deutschsprachigen Raum dagegen war Gronkh einer der ersten Größen (heutige Abonnentenzahl auf YouTube 4,94 Mio.) - fast gleichauf mit Paluten (4,97 Mio.) Die Gruppe um PietSmiet (2,47 Mio, Abonnenten) zeigt, dass man auch mit mehreren einen Kanal erfolgreich betreiben kann. Als erste weibliche Let's Playerin hat "Gnu" die 1 Million im Jahr 2021 geknackt und inzwischen 1,4 Millionen Abonnenten auf ihrem Hauptkanal. Aber jedes Jahr kommen neue, erfolgreiche Kanäle hinzu, was zeigt, dass dieser Bereich weiter wächst.


Plattformen

Let's Plays können auf allen Videoplattformen angeboten werden, doch haben sich zwei ganz besonders hervorgetan. Aber auch andere Social-Media-Kanäle sind von Interesse.

YouTube

Die führende Videoplattform im Web 2.0 ist das Mittel, um Let's Plays am effektivsten auf den Markt zu bringen. So sind Let's Plays inzwischen eine der stärksten Kategorien und generieren täglich Millionen Views. Videos können veröffentlicht, gespeichert und auch monetarisiert werden. Monetarisierung bedeutet, dass ab einer gewissen Reichweite der Kanäle Werbung zu den Videos geschaltet werden kann - so können Content Creator Geld verdienen.

Twitch

Aber auch Let's Plays live zu spielen und diese zu streamen, ist in den letzten Jahren immer populärer geworden. So besteht die Möglichkeit, seine eigene Community aktiv zu pflegen, diese mit einzubinden und Nähe aufzubauen. Zwar hat auch YouTube die Stream-Funktion, doch Twitch ist hier klar der Marktführer. Die Streams können auch aufgezeichnet und gespeichert werden, um diese auch allen zugänglich zu machen, die nicht live mitschauen konnten. Hier gibt es die Möglichkeit, kostenpflichtig zu abonnieren, um keine Werbung zu sehen oder besondere Inhalte (wie z. B. die Verwendung kanalbezogener Emoticons) freizuschalten.

Weitere Social-Media-Kanäle

Doch auch Twitter, Instagram, Facebook, TikTok und co. werden von Let's Playern verwendet. Sie sind ihre eigene Marke, agieren als Influencer und bauen sich auch dort ihre Reichweiten auf, um weitere Einnahmequellen zu akquirieren. Neben zusätzlichen Content wird auch häufig das aktuelle Video vermarktet, mit Links darauf hingewiesen. Kurze Videoausschnitte zeigen besonders spannende oder lustige Sequenzen, sodass der Zuschauer geneigt ist, alles sehen zu wollen.


Beliebte Spiele

Eines der Spiele, die Let's Plays so groß gemacht haben, war und ist der Indie-Titel "Minecraft". Eine Survivalwelt aus Klötzchen und Monstern hat Millionen Menschen begeistert und wird heute nach wie vor mit den unterschiedlichen Modi gern verwendet. Mit dem Horrorgenre macht man ebenso viel richtig - denn dieses ist besonders unterhaltsam. Schaut man auf Twitch, welche Live-Streams die meisten Viewer haben, so sind es Spiele wie GTA5, Valorant oder auch League of Legends. Das sind Games, die auch über Jahre hinweg Erfolg haben.

Ansonsten ist es ständig wechselnd, was gerade "in" ist - vielleicht neu auf dem Markt. So spielten erst alle gehyped “Fall Guys”, um dann einen Monat später” Among us” zu streamen. Jetzt, rund 1 Jahr später, spielt kaum noch jemand eines der beiden.

Das Ziel ist auch hier immer die Unterhaltung und möglichst viel Reichweite zu generieren, so dass die meisten Let's Player auf solche Züge aufspringen und das bieten, was gefragt wird.

Ein anderer Aspekt von Let's Plays beinhaltet, dass hier Spiele gezeigt beziehungsweise angeteasert werden, die noch nicht auf dem Markt sind. Let's Player dürfen diese Spiele im Vorfeld testen, zu gewissen Bedingungen veröffentlichen, um die die Verkaufszahlen bei Veröffentlichung mit zu steigern.


Urheberrecht

Grundlegend sind die Spiele inklusive der Musik urheberrechtlich geschützt. Ganz zu Beginn war die Veröffentlichung ein großes Streitthema zwischen den Publisher der Spiele und den Let's Playern. Die große Sorge der Spieleentwickler war, dass die Spiele nicht mehr gekauft werden, wenn sie jeder online anschauen kann. Dass Let's Player jedoch eine gute Vermarktung der Produkte mit sich bringen, wurde erst etwas später klar. Denn viele, die sich Let's Plays anschauen, sind auch an Games interessiert, spielen selbst - und kaufen auch so die Spiele. Oder lassen sich gar positiv vom Let's Player beeinflussen.

Inzwischen haben die meisten Publisher online Guidelines, Regelwerke und Lizenzbedingungen gestellt, um hier einen rechtlichen Rahmen für die Nutzung der Spiele zu schaffen. Eine gute Website für den Überblick ist diese.


Es ist absolut ratsam, sich damit vorher genau auseinanderzusetzen, um keine Urheberrechtsverletzung zu begehen. Besonders Musik in Videospielen ist nochmal ein besonderes Thema, sodass hier gegebenenfalls GEMA-Gebühren für den Content-Creator hinzukommen.


Chancen für den Markt

Generell erreichen erfolgreiche Youtuber hohe Zugriffszahlen auf ihre Videos, so auch Let's Player. Diese Reichweite, wenn ein Video beispielsweise 500.000 Mal geschaut wird, kann gut genutzt werden. Häufig ist eine jüngere, teils leicht zu beeinflussende Community die Basis. Und das haben sich inzwischen auch ziemlich viele Unternehmen zu Nutze gemacht, um ihre Absätze zu steigern. Die Zusammenarbeit mit Influencern ist im Social Media Marketing inzwischen ein wichtiger Punkt geworden.

Kooperation

Zunächst gibt es die ganz offensichtlichen Kooperationen. Hier bewirbt der Influencer aktiv ein Produkt, von dem er (vermeintlich) überzeugt ist. In welchem Rahmen, auf welchen Plattformen etc. das passiert, wird abgesprochen. Danach richtet sich auch der Verdienst für diese Werbung. Manchmal gibt es Rabattcodes mit den Namen der Influencer für das Produkt, so dass die Unternehmen nachvollziehen können, welche Kooperationen viel Umsatz gebracht haben. Ein Beispiel ist hier, dass ein Let’s Player ganz offen ein Spiel vorstellt oder aktiv für bestimmte Hardware wirbt. Auch gewisse Lebensmittel (z.B. Energydrinks) sind erfolgreich. Der Kreativität der Zusammenarbeit sind keine Grenzen gesetzt.

Product Placement

Product Placements sind unauffälliger und kommen auch in klassischen Serien und Filmen vor. In Let's Plays können ganz beiläufig Product Placements gesetzt werden. Bei dieser "versteckten" Werbung für ein Produkt reicht es bereits, wenn in diesem Moment in dem Video in einer Ecke "Werbung" steht. Man muss dies nicht offen als solche ankündigen. Hier reicht es, wenn der Let`s Player beiläufig erwähnt, welche Tastatur er z. B. verwendet oder dass er letztens bei einer bestimmten Fastfoodkette essen war. Das wirkt eher wie eine “persönliche, ehrliche Empfehlung” als eine offene Kooperation.


Jugendschutz

Was bei Let's Plays häufig kritisiert wird, ist das Thema Jugendschutz. Zwar ist beispielsweise die Social Media Plattform YouTube erst ab 16 Jahren nutzbar, doch ist klar, dass viele Jüngere sich bereits anmelden. Und diese können grundsätzlich jeden Content schauen. Zwar gibt es auch Let's Plays, die speziell auf die jüngere Zielgruppe abzielen, aber auch Spieletitel mit FSK Freigabe 16 bzw. 18 können in Let's Plays angesehen werden.

Ein weiterer Punkt für den Jugendschutz sind die Äußerungen der Let's Player in ihren Videos. Zwar haben auch hier die Plattformen Regeln, was erlaubt ist und was nicht. Doch gibt es immer wieder schwierige Äußerungen in Let's Plays, sodass verbale Grobheit noch das kleinste Problem ist. Gerade vor dem Hintergrund, dass vor allem die wirklich junge Zielgruppe sehr leicht beeinflussbar ist.


Einzelnachweis und Weblinks